24/07/2007 15:27
MOSKAU, 24. Juli (Von Sergej Droschin für RIA Novosti). Ich erinnere mich an einen amerikanischen Präsidenten, der einmal sehr zutreffend gesagt hat: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.
Dieses russische Sprichwort klingt auch auf Englisch und auf Deutsch nicht schlecht. Ich bin damit einverstanden - wenn es um Demokratie geht, ist Kontrolle unbedingt notwendig.
Viel Sorge macht mir in dieser Hinsicht die private amerikanische Sicherheitsfirma Blackwater USA. Ich habe über diese Firma erst vor kurzem erfahren. Es hat sich herausgestellt, dass die amerikanische militärische Präsenz in Aserbaidschan gerade von dieser privaten Firma gesichert wird. Und das passiert an der Grenze mit Iran und nicht weit vom russischen Territorium. Diese Spezialeinheit, nach dem Muster der US Navy Seals - Seebären - geschaffen, ist im ehemaligen sowjetischen militärischen Zentrum untergebracht.
Es muss betont werden, dass es sich um eine sehr heikle Region handelt, hier gibt es alles - Öl, Gas, Russland, Pipelines, Iran. Jeremy Scahill, ein investigatorischer Journalist mit viel Erfahrung, meint, es sei ihm nicht gelungen, etwas über diese Seebären in Aserbaidschan zu erfahren.
Über Blackwater USA wurde vor einigen Jahren viel geschrieben, als vier Mitarbeiter dieser Firma in der irakischen Stadt Falludscha grausam getötet wurden. Ihre verkohlten Leichen hingen dann für mehrere Tage auf einer Brücke.
Die Mitarbeiter von Blackwater USA handeln auch im Auftrag des Weißen Hauses, bekommen einen Haufen Geld dafür, sind aber niemandem rechenschaftspflichtig. Blackwater USA ist an und für sich eine Söldnerarmee, und diese Söldner sind bis an die Zähne bewaffnet und imstande, sogar amerikanischen Soldaten im Irak Befehle zu erteilen, was in der Tat häufig passiert. Es wird behauptet, diese Söldner seien ab und zu ziemlich wahllos in bedenklichen Staaten aus dunklen Milieus rekrutiert.
Diese bewaffneten Söldner beschützen auch die amerikanischen Diplomaten im Irak, und die Summe, die man dafür bekommt, ist beeindruckend. Blackwater USA beschützt jetzt den amerikanischen Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad. Vielleicht eben deswegen können Mitarbeiter dieser Firma den einfachen amerikanischen Soldaten Befehle erteilen. Seit 2004 hat Blackwater allein vom amerikanischen State Department 750 Millionen US-Dollar bekommen. Mit diesem Geld kann man gewiss viel unternehmen.
Insgesamt gibt es gegenwärtig im Irak an die 100 000 private Auftragnehmer, von denen 48 000 echt private Soldaten sind. Viele von diesen Söldnern verdienen bis zu 1000 Dollar pro Tag, das heißt wesentlich mehr, als die einfachen amerikanischen Soldaten. Es gibt da so einen Witz, den manche Vertreter von diesen privaten Auftragnehmern über sich selbst erzählen. Sie nennen sich „Koalition der Rechnung ausstellenden“ („Coalition of the Billing“). Die Anspielung auf die andere Koalition ist in diesem Fall ganz klar.
Übrigens sind auch manche deutschen Privatfirmen im Irak als Sub-Auftragnehmer vertreten, zum Beispiel Eurest Support Services.
Der amerikanische investigatorische Journalist Jeremy Scahill, dessen Interview ich mir im amerikanischen öffentlichen Rundfunk vor kurzem angehört habe, nennt diese Söldner zutreffend die prätorianische Garde des Weißen Hauses.
Jeremy Scahill hat viel über Blackwater USA recherchiert und vor kurzem ein Buch darüber geschrieben. Das heißt, er weiß ganz genau, wovon die Rede ist.
Das Mitglied des Repräsentantenhauses Jan Schakowsky meint, fast die Hälfte von dem, was die amerikanische Regierung für den Krieg im Irak ausgibt, gehe direkt an die privaten Auftragnehmer. Und das ist eine enorme Summe. Anders ausgedrückt, private amerikanische Auftragnehmer profitieren von diesem Krieg, den die Amerikaner weit entfernt von ihren eigenen Grenzen führen.
Blackwater USA, deren Hauptquartier sich in Moyock, North Carolina, befindet, wird von Eric Prince geleitet. Er scheint mir ein sehr interessanter Vogel zu sein. Von ihm wird gesagt, er, selbst ehemaliger Seebär, sei unglaublich reich, braucht eben kein Geld und arbeitet nur für gewisse Ideen. Er sei außerdem der reichste Mann, der je bei den Seebären Militärdienst geleistet hätte. Politisch gehört er zur religiösen Rechten.
Der Name dieser Firma selbst hat aber nichts mit einer politischen Richtung zu tun, obwohl es in dieser Situation treffend wäre. In der Tat befindet sich das Hauptquartier und Trainingslager dieser Firma in einer sumpfigen Gegend, die Blackwater beziehungsweise Schwarzwasser heißt.
Wie auch immer hat Blackwater USA ein schwarzes, beziehungsweise undurchsichtiges Budget und alles wird noch dunkler, wenn es sich um die Kontrakte zu den amerikanischen Sicherheitsbehörden handelt. Davon gibt es auch welche.
Der Vizevorsitzende von Blackwater USA Joseph Schmidtz hatte vor kurzem im Pentagon einen sehr hohen Posten inne und hat selbstverständlich immer noch gute Kontakte nach Oben in Washington. Also Geld, militärische Erfahrung und Vitamin B - eine unglaublich günstige Konstellation.
Außerdem sitzt Eric Price im geschäftsführenden Vorstand von Christian Freedom International - eine Organisation, die allen Christen zu helfen bereit ist, die ihres Glaubens wegen überall auf der Welt verfolgt werden.
Darüber hinaus unterhält Eric Prince gute Beziehungen mit einem gewissen Chuck Colson. Dieser Colson war in der Watergate Affäre ziemlich stark involviert, gegenwärtig ist er als geistiger Berater von Präsidenten Bush tätig.
Der andere Vize-Vorsitzende von Blackwater USA heißt Cofer Black, früher Koordinator der Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium. Er ist auch deswegen bekannt, weil er den berühmt-berüchtigten Terroristen Carlos, den „Schakal“, gefangen genommen hatte. Cofer Black hat nicht nur einen guten Draht zur CIA, sondern auch zum Weißen Haus. Es wird behauptet, er habe Präsident Bush wortwörtlich versprochen, den Kopf von Osama bin Laden in einer Kiste zu präsentieren. Mir scheint, dass es hier um etwas Biblisches geht, nicht umsonst gehören all diese Leute zur christlichen Rechten.
Viele Amerikaner haben Bedenken in Bezug auf diese verschleierte Privatarmee von Seebären und Auftragnehmern. Blackwater USA ist in letzter Zeit sehr aktiv auch innerhalb der USA selbst geworden. Es handelt sich um Hilfe bei Katastrophen. Aber die gleiche tatkräftige Hilfe könnte dann auch bei manchen sozialen Ereignissen angeboten werden.
Die Dienstleistungen, die von Blackwater USA angeboten werden, sind - wenn man es auf Deutsch so schön ausdrücken kann - eine Art „outsourcing“. Manche amerikanische Beobachter bezweifeln jetzt, dass Dienstleistungen solcher Art auf einem entsprechenden Niveau vom amerikanischen Militär angeboten werden können.
Aber der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bezeichnet die Militärs, die Reserve und die zivilen Auftragnehmer als „totale Kraft“ („Total Force“), das heißt, dass für ihn Blackwater USA ein integrierter Bestandteil der amerikanischen Macht ist und nicht nur ein Instrument, um karitative Hilfe zu verteilen.
Ich vergleiche solche privaten amerikanischen Firmen und Auftragnehmer mit einem unsichtbaren „Stealth“-Flugzeug. Sie sind finanziell undurchsichtig, obwohl sie öffentliche Gelder bekommen, und sind den militärischen Gesetzen nicht unterstellt, obwohl sie häufig auf dem Kampffeld anwesend sind. Zumindest ist Blackwater USA für den amerikanischen politischen Radar kaum sichtbar.
Gegenwärtig sind 2 300 Soldaten von Blackwater USA in neun Ländern stationiert. Blackwater USA ist ständig im telefonischen Kontakt mit 20 000 Reservisten, die schlagartig eingesetzt werden können.
Eric Prince sagt, er wolle überall auf der Welt eine humane Demokratie unterstützen. Das ist ein nobles Ziel, ich habe nichts dagegen. Ich will aber nur, und da stehe ich nicht allein, dass es mehr Kontrolle über Blackwater USA und die anderen privaten Auftragnehmer gibt, besonders wenn ihre militarisierten und gut bewaffneten Einheiten nicht weit von den russischen Grenzen stationiert sind.
Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.